Verkehrssicherheit: Dehydrierung bei der Autofahrt genauso gefährlich wie Alkohol


Veröffentlicht am 17.07.2015 von Alex

autofahren-dehydrierung-trunkenheitDie Null-Promille-Grenze am Lenkrad ist gesellschaftlicher Konsens, denn Alkohol am Steuer ist mehr als gefährlich. Die Fahrtüchtigkeit leidet massiv. Doch hätten Sie gedacht, dass jene Autofahrer, die am Steuer zu wenig trinken, beinahe genauso schlecht fahren wie die alkoholisierten Trunkenbolde. Die Gefahr im Straßenverkehr ist mehr als real, denn Austrocknung führt zu gefährlichen Fahrfehlern.

Bildquelle:Hans / pixabay.com
Trinken Sie vor und während der Autofahrt ausreichend. Wer dehydriert Auto fährt, riskiert ähnlich viele Fehler wie beim Fahren unter Alkoholeinfluss.

 

Sommerzeit ist Reisezeit. Nicht wenige Deutsche fahren mit dem Auto in den Urlaub. Die Sonne brennt, die Vorräte sind aufgebraucht, die Getränke alle und nur noch 100 Kilometer bis zum Ziel. Was machen Sie? Fahren Sie bei der nächsten Ausfahrt raus, frischen die Vorräte auf und trinken einen gehörigen Schluck aus der Wasserflasche? Oder treten Sie das Gaspedal durch, um endlich anzukommen? Die erste Antwort wäre die richtige Antwort gewesen, um die Verkehrssicherheit enorm zu erhöhen. Doch viele Pendler und Reisende tendieren im Normalfall zu Antwort zwei. Das kann gefährlich werden – für den Fahrer, für die Mit-Insassen und für die anderen Verkehrsteilnehmer. Denn schon leichte Probleme mit dem Wasserhaushalt und damit eine beginnende Dehydrierung führen zu doppelt so vielen Fahrfehlern wie normal. Das zeigen jetzt Untersuchungen britischer Forscher.

 

Dehydrierung im Straßenverkehr ist fast genauso schlimm wie Trunkenheit am Steuer

An der Universität Loughborough forschen die Experten zur Verkehrssicherheit. Sie fanden heraus, dass Fahrer die nur einen kleinen Schluck Wasser (ca. 25 Milliliter) pro Stunde trinken fast genauso viele Fehler machten wie alkoholisierte Fahrer.

Die Forscher wollen das Unfallrisiko von Drogen- bzw. Alkoholfahrten keineswegs bagatellisieren. Sie wollen jedoch mit ihren Forschungen die Gesellschaft für eine unterschätzte Gefahr sensibilisieren wie sie gegenüber dem Daily Telegraph äußerten. Das eine Dehydration einen erheblichen und noch dazu negativen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit hat, ist vielen Menschen einfach nicht bewusst.

 

Zu wenig trinken führt zu doppelt so vielen Fahrfehlern

Die Studie der britischen Forscher erschien in der Fachzeitschrift Physiology and Behavior. Für die Auswertungen ließen die Wissenschaftler männliche Testpersonen zwei Stunden lang an zwei verschiedenen Tagen in einem Fahrsimulator fahren. Die Strecke war recht monoton. Beinhaltete jedoch mehrere, kleinere Herausforderungen wie Kurven, Überholmanöver oder die Änderung von Fahrbahnbelägen oder Wetterbedingungen. Es handelte sich also um ein recht normales Szenario, dem täglich Millionen von Autofahrer ausgesetzt sind. An einem der beiden Testtage bekamen die Fahrer pro Stunde 200 Milliliter (also ein ganzes Glas) zu trinken. Am anderen Tag wurden nur 25 Milliliter (also lediglich ein kleiner Schluck) gereicht. An beiden Tagen zeichneten die Forscher die Fahrfehler der Testpersonen auf. Das Ergebnis macht mehr als nachdenklich: Fahrer, die ausreichend getrunken hatten, begingen auf der Strecke im Durchschnitt 47 Fehler. Dazu zählten bereits verzögertes Bremsen oder das Überfahren einer durchgezogenen Linie. Die gleichen Fahrer machten ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr jedoch 101 Fehler. Das sind mehr als doppelt so viele. Auffällig war, dass die höchste Fehlerquote in den letzten 15 Minuten des Testzeitraums auftrat.

Damit machen dehydrierte Fahrer statistisch genauso viele Fehler wie jene Fahrer, die über der Promillegrenze liegen. Die Forscher weisen explizit daraufhin, dass das Ausmaß der Dehydration in der Studie vergleichsweise leicht sei. Viele Menschen trinken im Laufe eines Tages deutlich weniger als die Testpersonen, weil der permanente Zugang zu Getränken fehlt. Und viele Autofahrer trinken vor langen Fahrten auch sehr bewusst weniger, um Toilettenpausen zu umgehen.

 

Gleichen Sie in regelmäßigen Abständen den Flüssigkeitsverlust aus – vor allem im Sommer

Hinzu kommen außerdem die unterschiedlichen Bedingungen zu verschiedenen Jahreszeiten. Gerade im Sommer verliert der Körper infolge von Schwitzen und den erhöhten Temperaturen viel Flüssigkeit. Das ganze wird verstärkt durch aufgeheizte Autos und den Gebrauch der Klimaanlage. Wer dann nicht ausreichend trinkt, riskiert nicht nur schlechtere Laune. Auch die Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne verringert sich spürbar. Eine schlechteres Kurzzeitgedächtnis sowie vielfach Kopfschmerzen und Müdigkeit sind dann die Folge. All das sind jedoch keine guten Voraussetzungen für eine sichere Autofahrt. Und die Statistik gibt den Mahnern recht: Knapp 70 % aller Unfälle lassen sich auf Fahrfehler zurückführen.

Wer die heimliche Gefahr der Dehydration kennt, kann diese recht einfach ausschalten. Trinken Sie daher auf Autofahrten in regelmäßigen Abständen etwas. Machen Sie bewusst Pausen – nicht nur um auf die Toilette zu gehen sondern auch um bewusst etwas zu trinken. Vergessen Sie auch nie nach einer längeren Autofahrt, die Getränkevorräte im Auto aufzufüllen, denn ein oder zwei Wasserflaschen gehören zur Erhöhung der Verkehrssicherheit genauso an Bord wie das Warndreieck, der Verbandkasten, der Autoatlas oder die Warnweste.

 

Sie interessieren sich für das Thema "Autofahren" bzw. "Trinken"? Dann sind die nachfolgenden Artikel für Sie sicherlich ebenfalls interessant:

 

disclaimer