Urban Gardening: Wie komme ich in City-Nähe an einen Kleingarten?


Veröffentlicht am 30.04.2015 von Alex

urban-gardening-city-naher-kleingartenBis vor wenigen Jahren galten Schrebergärten als spießig und altmodisch. Das hat sich in den letzten Jahren gewaltig geändert. Dank Urban Gardening stehen Hippster jetzt auf den guten alten Kleingarten. Mittlerweile gibt es in vielen städtischen Kleingartenanlagen teilweise mehr Interessenten als leere Parzellen. Doch mit etwas Glück findet man sie noch – die grüne Oase direkt um die Ecke.

Bildquelle: goiwara / pixabay.com
Urban Gardening ist beliebt. Vor allem Schrebergärten in City-nähe feiern eine Renaissance. Die trimeda-Redaktion beantwortet viele Fragen rund um den Kleingarten.

 

Kleingärten sind gerade für Familien ein Paradies – hier warten auf die Kids große Abenteuer, auf Mama ein Blumenparadies und auf Papa Obst und Gemüse aus nachhaltigem Anbau. In Ballungsgebieten nimmt man für ein Wochenende im Grünen sogar eine gewisse Fahrtzeit in Kauf. Rund vier Millionen glückliche Kleingärtner und Kleingärtnerinnen gibt es mittlerweile in Deutschland – Tendenz steigend, denn die Suchtgefahr ist groß. Doch gerade Einsteiger haben viele Fragen. Die trimeda-Redaktion gibt Antworten.

 

Wie finde ich einen Kleingarten?

Schauen Sie am besten in den Schrebergartenvereinen in ihrer direkten Nachbarschaft vorbei. Meist kommt man mit Schrebergärtnern recht schnell ins Gespräch und erfährt so auch, ob ein älteres Mitglied über eine Abgabe des Gartens nachdenkt. Ansonsten wenden Sie sich direkt an den Vereinsvorsitzenden. Er zeigt in der Regel die freien Parzellen und stellt auch die Nachbarn vor. Da sie in Zukunft Parzelle an Parzelle gärtnern werden, sollten Sie diese unbedingt kennenlernen. Meist jedoch reicht ein Blick über den Gartenzaun schon aus, um zu wissen, ob man sich hier wohlfühlen könnte.

 

Was kostet ein Schrebergarten im Jahr?

Bei den Kleingärten handelt es sich in der Regel um Pachtflächen, d. h. es muss eine Pacht an die jeweilige Gemeinde entrichtet werden. Die Pacht ist mit ca. 10 bis 90 Cent pro Quadratmeter jedoch erschwinglich. In der Regel haben die Schrebergärten eine Größe von ca. 400 m². Dazu kommen noch die vereinseigenen Umlagen sowie Wasser und Strom hinzu. Je nach Region ist hier mit 100 bis 300 Euro im Jahr zu rechnen. Üblich ist auch eine Ablöse vom früheren Pächter. Hier kommt es letztlich auf den Zustand und das übernommene Inventar an. Die Ablösesumme kann sich zwischen 1000 bis 7000 Euro bewegen. Für eine Wellness-Oase par excellance ist damit der Garten recht preiswert und sprengt in den meisten Fällen nicht einmal das Familienbudget.

 

Wo findet man Ansprechpartner?

Nehmen Sie am besten Kontakt mit dem Bundesverband Deutscher Gartenfreunde auf. Es handelt sich dabei um den Dachverband der Kleingärtner. Ihm gehören die 19 Landesverbände und damit die über 15.000 Kleingartenvereine im gesamten Bundesgebiet an. Hier kann man Ihnen sicherlich die Adressen von Vereinen in ihrer Nähe nennen.

 

Wie funktioniert die Kleingärtner-Gemeinschaft?

Um einen Schrebergarten bewirtschaften zu dürfen, müssen Sie in der Regel in den Kleingartenverein eintreten. Die Schrebergärtner sind meist eine eingeschworene Gemeinschaft, die zusammen Vereinsfeste organisieren oder mit Arbeitseinsätzen die Anlage pflegen (z. B. Wege in Stand halten, Rasen mähen bei Vereinsflächen, …). Jedes Mitglied muss pro Jahr eine festgelegte Anzahl von Arbeitsstunden für den Verein erbringen. Doch dafür erwartet sie im Verein eine interessante, da bunt gemischte Gruppe. So gärtnern zwischen Berchtesgaden und Flensburg Menschen aus über 80 Nationen mit viel Leidenschaft und feiern gemeinsam Feste. Da dauert es nicht lange bis man Anschluss gefunden hat. Für Kinder gibt es die Schreberjugend. Sie organisiert gemeinsame Ausflüge, Ferienfreizeiten, ja sogar internationale Begegnungen.

 

Schrebergartenordnung: Was gilt es zu beachten?

Auch wenn viele ihren Kleingarten als ihr Eigentum betrachten. So ganz frei und wild darf man hier nicht agieren. Eine Kleingartenanlage ist eine Kleingartenanlage und kein Naherholungsgebiet. In großen Ballungsräumen hat diese Einstufung durchaus Auswirkungen auf Grundsteuer und Pacht. Deswegen gibt es ein paar Regeln, die das Zusammenleben erleichtern. Sie sind im Bundeskleingartengesetz festgeschrieben. Ein Schrebergarten muss gedrittelt sein: Ein Drittel des Gartens dient dem gärtnerischen Anbau (Obst, Gemüse), ein Drittel darf baulich für die Laube und Wege genutzt werden und ein Drittel ist für die Erholung (Blumenbeete, Rasen) reserviert. In den meisten Anlagen gilt eine Mittagsruhe von 13:00 bis 15:00 Uhr sowie eine Nachtruhe von 22:00 bis 07:00 Uhr.
Alle baulichen Veränderungen wie ein Gewächshaus oder ein fester Gartengrill bedürfen der Genehmigung. In vielen Anlagen existieren außerdem sogenannte Gehölzlisten. Hier ist geregelt, welche Bäume gepflanzt werden dürfen, sodass der Nachbar auch noch genügend Sonne abbekommt.

 

Darf ich in der Gartenlaube übernachten?

Man kann in der Gartenlaube durchaus über das Wochenende wohnen. Allerdings ist ein dauerhaftes Wohnen nicht erlaubt. Meist fehlt hierfür auch der Platz, denn die Gartenlaube darf höchstens 24 m² messen. Nach dem Krieg war Wohnraum allerdings rar und so wurde so manche Gartenlaube zum Gartenhaus ausgebaut. Dies haben die Behörden toleriert und für diese Bauten gilt auch heute noch ein Bestandsschutz. Allerdings bedarf auch hier jegliche bauliche Veränderung einer Genehmigung.

Fast alle Gartenlauben verfügen heute über einen Stromanschluss. Das Wasser jedoch muss auf dem Parzellengelände geholt werden, denn ein Wasseranschluss in der Laube ist untersagt. Ansonsten mangelt es den Kleingärtnern nicht an Komfort. Viele haben sich eingerichtet mit einer kleinen Kochnische, einem Campingklo und diversen Sitz- und Liegemöglichkeiten. Der Fachhandel bietet hierfür reichlich Ausstattung und Ideen. 

 

Ich bin blutiger Anfänger! Wo lerne ich gärtnern?

Auch beim Gärtnern gilt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wagen Sie es einfach! Notfalls fragen Sie ihren erfahrenen Nachbarn. Er hat bestimmt den einen oder anderen Tipp für Sie parat. So mancher Verein bietet sogar Kurse zu Themen wie „Bodenbearbeitung“ oder „Winterschnitt an Obstbäumen“.

 

Was kann ich im Kleingarten kultivieren?

Auch wenn es für Kinder extrem spannend ist, zu beobachten, wie aus einem winzigen Tomatensamenkorn sich erst ein kleiner Sämling und dann eine große Tomatenpflanze entwickelt, an der die gutschmeckenden, roten Früchte reifen. Die Pflanzenanzucht ist mühsam. Abkürzen kann ein Junggärtner, indem er Pflanzen vom Profi – sprich Gärtnermeister – kauft. Aber Möhren, Mangold, Bohnen und Kaiserschoten kann wirklich jeder sähen. Schauen Sie sich auch bei den Salatsorten um. Frischer als aus dem eigenen Garten bekommt man Salat nirgends. Außerdem sind auf dem Markt exotischere Salatsorten meist teuer. Hier bietet der eigene Kleingarten einiges an Einsparpotential. Gleiches gilt für diverse Kräuter. Rosmarin, Schnittlauch, Basilikum, Petersilie oder Thymian aus dem eigenen Garten bereichern die Küche und den Speiseplan enorm. In keinem Garten sollte eine süße Naschecke mit Himbeeren, Johannisbeeren und Erdbeeren fehlen.

 

Ich habe gesät, gehegt und gepflegt. Wohin nun mit der Ernte?

Vieles an Obst und Gemüse kann einfach in der Tiefkühltruhe eingefroren und bei Bedarf hervorgeholt werden: Erdbeeren, Johannisbeeren, Spinat, Erbsen, Bohnen oder Möhren. Letztere kann man allerdings ähnlich wie Pastinaken und Kartoffeln in einer mit Sand gefühlten Einkaufsklappbox im kühlen Keller über mehrere Wochen, ja sogar Monate, lagern. Gurken, Zucchini und Paprika lassen sich prima zu süß-sauren Mix-Pickles verarbeiten und in Gläser einkochen. Aus Erdbeeren, Brombeeren und Himbeeren werden tolle Marmeladen und Gelees. Aus Tomaten, Chilis, Zwiebeln oder Kürbissen lassen sich fantastische Chutneys zaubern.

 

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