Sagt die Tabletten-Farbe etwas über die Inhaltsstoffe aus?


Veröffentlicht am 13.08.2015 von Johanna

tabletten-farbeNicht alle Tabletten sind weiß. Wenn man mehrere Präparate gleichzeitig einnehmen muss, kann schon eine bunte Mischung in der Pillenschachtel entstehen. Manche Tabletten sind blau, manche sind grün, andere wiederum rot. Nicht wenige Menschen stellen sich daher die Frage: Steckt mehr hinter den Farben? Haben die eine bestimmte Bedeutung? Steht eine bestimmt Farbe etwa für eine besondere Wirkstoffgruppe? Die trimeda-Redaktion hat für Sie ein wenig recherchiert.

Bildquelle: I-vista / pixelio.de
Die Farbe von Tabletten soll in erster Linie den Patient vor Verwechslungen mit anderen Medikamenten schützen. Sie kann aber auch die Wirkung eines Medikaments positiv beeinflussen und rückt deswegen auch in den Fokus der Marketing- und Forschungsabteilungen der Pharma-Hersteller.

 

Viele Arzneimittel werden in Tablettenform angeboten, da dies die beliebteste Einnahmeform ist. Viele Tabletten sind weiß, da auch die enthaltenen Wirkstoffe in der Regel weiß sind. Doch gerade hier lauert eine große Gefahr für den Patienten: Obwohl sich die verschiedenen Medikamente meist in Form, Größe und Prägung (einmal mit Hersteller-Logo, einmal ohne; einmal mit Bruchkerbe, einmal ohne) unterscheiden, können sie trotzdem von den Patienten leicht verwechselt werden, wenn diese mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen.

 

Durch die Farbe wird die Verwechslungsgefahr bei Tabletten verringert

An dieser Stelle setzt die Farbe an, denn bei gefärbten Tabletten verringert sich die Gefahr einer Verwechslung erheblich. Die Farbstoffe können meist recht leicht und unkompliziert dem Wirkstoff-Pulver beigemischt werden, bevor die Tablette in der Produktion in Form gepresst werden. Ist dies nicht möglich, lassen sich Dragees oder Filmtabletten auch mit einer gefärbten Hülle überziehen. Hier hat die Hülle meist noch einen sehr praktischen Nutzen, denn so können lichtempfindliche Wirkstoffe sehr gut geschützt werden.

Welche Farbe die Tablette nun genau hat, ist für die eigentliche Wirkung an sich meist unerheblich – nicht allerdings für Therapietreue der Patienten. Ändert sich die gewohnte Farbe ihrer Medikamente plötzlich, sind viele Patienten zu recht verunsichert. Die Verunsicherung geht sogar so weit, dass nicht wenige Patienten die Einnahme dann zunächst komplett verweigern. Hersteller sind deswegen sensibilisiert und verändern mittlerweile nur noch selten die Optik etablierter Tabletten. Auch Ärzte sollten diesen Aspekt im Hinterkopf behalten, wenn sie wirkstoffgleiche Generika verschreiben. Diese können mit anderer Form und Farbe aufwarten und so den Patienten zunächst irritieren.

 

Die richtige Tablettenfarbe kann die Wirkung weiter verstärken

Mittlerweile jedoch ist das Thema Tablettenfarbe selbst in den Marketing- und Entwicklungsabteilungen der großen Pharmakonzerne angekommen. Denn wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass richtig gefärbte Tabletten sogar den therapeutischen Effekt des Medikaments erhöhen können. Im Umkehrschluss heißt das allerdings auch, dass falsch gefärbte Tabletten unter Umständen nicht so gut wirken wie sie eigentlich könnten. Die Wissenschaftler nutzten bei ihren Studien Placebos, also Scheinmedikamente. Es stellte sich heraus, dass blaue und grüne Tabletten die Wirkung von Beruhigungstabletten besonders gut verstärken, während orange und rot für Antidepressiva gut geeignet sind.

Und auch die Marketingabteilungen wollen bei Form und Farbe der Tabletten mitreden. Sie nutzen dieses Instrument, um sich von der Konkurrenz zumindest optisch abzusetzen. Dem amerikanischen Hersteller Pfizer ist so ein großer Marketing-Erfolg geglückt, denn fast überall in der Welt denken Menschen, die eine hellblaue, rautenförmige Pille sehen, unwillkürlich an das Potenzmittel Viagra.

 

Achtung bei unbekannten Medikamenten

Sind Sie nach einem Präparatewechsel unsicher oder finden Sie Tabletten zu Hause vor, die Sie nicht mehr eindeutig zuordnen können, dann wenden Sie sich am besten direkt an Ihren Apotheker vor Ort. Er hat Zugriff auf spezielle Nachschlagewerke und Kataloge. So ist es meist schnell und sicher möglich, das einzelne Präparat korrekt zu identifizieren und mit den Anforderungen an eine bestimmte Indikation abzugleichen bzw. über Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären. Bitte nehmen Sie, Ihrer Gesundheit zu liebe, niemals Medikamente ein, die sie nicht zu 100 Prozent kennen!

 

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