Naturapotheke: Johanniskraut-Rotöl selber machen


Veröffentlicht am 07.09.2015 von Marie

johanniskraut-rotoelEs ist ein altes Heilmittel aus Omas Naturschatzkiste: Das Rotöl, welches aus den Blüten des Johanniskrauts gewonnen wird. Äußerlich aufgetragen lässt es kleinere Wunden schneller abheilen. Die Volksheilkunde schwört auf das Rotöl auch bei Hexenschuss, Rheuma und Muskelkater. Auch bei einem leichten Sonnenbrand lindert es schnell die Symptome. Jedoch ist hier Vorsicht geboten: Länger andauernde Anwendungen von Johannsikraut und damit auch Rotöl machen die Haut generell lichtempfindlicher, sodass von vornherein auf einen ausreichenden Lichtschutz geachtet werden sollte.

Bildquelle: Hans / pixabay.com
Das Rotöl, das aus Johanniskraut-Blüten gewonnen wird, ist ein altes Hausmittel. Es kommt gerne bei kleineren Blessuren zur Anwendung und sorgt dafür, dass Verletzungen schneller abheilen.

 

Rotöl aus eigener Herstellung: Schnell & einfach

Johanniskraut (lat. Name: Hypericum perforatum) ist ein uraltes Heilmittel. Die Sträucher blühen in der Regel von Juni bis August. Dann sind die leuchtend gelben Blütenstände an den Wegesrändern kaum zu übersehen. Das Johanniskraut mag einen trockenen und kargen Standort. In feuchten Wiesen wird man es daher eher nicht finden. Dafür umso mehr an Feld- und Waldrändern.

Die Blüten des Johanniskrauts sind leicht erkennbar. Sie leuchten in der Sonne gelb und bestehen aus fünf Kronblättern, die am Ende gesägt sind. Die feinen Staubblätter bilden einen Strahlenkranz. Die Staubblätter haben am Ende außerdem eine kleine Verdickung – im Volksmund als Tüpfel bezeichnet. Die Tüpfel gaben dem Echten Johanniskraut auch den Beinamen Tüpfel-Johanniskraut. Zerreibt man die Blüten, setzt man den Stoff Hypericin frei. Er ist blutrot und verfärbt die Finger. Genau auf die Extraktion dieses Wirkstoffs hat man es bei der Herstellung des Rotöls abgesehen.

Bei einem Spaziergang nach dem Mittagessen – am besten um den Johannistag herum – können Sie recht schnell einen Strauß Johanniskraut pflücken und mit nach Hause nehmen. Die Mittagszeit ist deshalb ideal, weil dann die Konzentration an ätherischen Ölen und Wirkstoffen in den Pflanzen am höchsten ist. Das Bündel muss daheim aber gründlich ausgelesen werden. Es werden für das Ansetzen des Rotöls nämlich nur vollaufgeblühte Johannsikraut-Blüten benötigt. Knospen und verwelkte Blüten dagegen sind zu entfernen. Bei dieser Arbeit sollte man auch gleich auf kleine Untermieter wie Spinnen oder Rapskäfer achten und diese in die Natur entlassen.

 

Der Wirkstoff Hypericin färbt das Johanniskraut-Öl rot und sorgt so für den Namen Rotöl in der Volskheilkunde

Am besten setzt man das Rotöl in einem breiten Marmeladenglas mit Schraubverschluss an. Man braucht so viele lose Blüten wie locker gefüllt in das Gefäß passen. Die Johanniskraut-Blüten sollten jedoch erst im nächsten Schritt angequetscht werden. Dies kann beispielsweise in einem Mörser geschehen oder man drückt die Blüten mit dem Löffel gegen die Glaswand. Das Quetschen bewirkt, dass der Wirkstoff besser aus der Pflanze austreten und in das Öl übergehen kann. Für eine bessere Haltbarkeit des Rotöl sollte man die Blüten nun noch etwas anwelken lassen, um den Wassergehalt zu verringern.

Nach ca. drei bis 4 Stunden wird als vorerst letzter Arbeitsschritt ein hochwertiges Öl aufgegossen. Es sollte alle Blüten bedecken. Dafür eignet sich ein natives Olivenöl oder ein Sonnenblumenöl aus biologischer Herstellung bestens. Sonnenblumenöl hat gegenüber dem Olivenöl den Vorteil, das es relativ geruchslos und geschmacksneutral ist.
Zunächst stellt man den Rotöl-Ansatz für ca. eine Woche offen an ein sonniges Plätzchen (z. B. die Fensterbank). In dieser Zeit erfolgen Gärprozesse und die gebildeten Gase können entweichen. Danach wird Gefäß fest verschlossen und bleibt weiter an seinem sonnigen Platz für ca. acht Wochen lang stehen. Man sollte das selbstgemachte Johanniskraut-Rotöl in dieser Zeit regelmäßig kräftig durchschütteln, damit sich der Wirkstoff Hypericin gleichmäßig verteilen kann. Im Laufe der Zeit kann man gut beobachten, wie sich die Farbe des Ansatzes verändert: Er wird immer rötlicher. Ein gutes Zeichen, dass sich das Hypericin aus den Pflanzenbestandteilen löst.

 

Selbstgemachtes Rotöl sollte dunkel aufbewahrt und innerhalb weniger Monate verbraucht werden

Der letzte Schritt zum fertigen Rotöl ist denkbar einfach: Man gießt nach ca. 8 Wochen den Ansatz durch ein Kaffee- oder Teesieb und fängt dabei das Öl auf. Die Johanniskraut-Blütenreste wandern in den Hausmüll, denn sie enthalten kaum noch den begehrten Wirkstoff. Das fertige Rotöl kann nun in eine dunkle Flasche abgefüllt werden. Es sollte von nun an lichtgeschützt aufbewahrt werden. Bitte vergessen Sie nicht, ein Schild mit dem Herstellungsjahr auf der Flasche auszubringen. Bei kühler und dunkler Lagerung sollte es innerhalb von 6 bis 12 Monaten aufgebraucht werden.

Sie haben dieses Jahr den Ansatz von Rotöl verpasst? Nicht so schlimm: Merken Sie sich am besten auf Ihren Herbstspaziergängen den Standort des Johanniskrauts, das auch an seinen Fruchtständen gut erkennbar ist. Das Heilkraut wird mit großer Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr am gleichen Standort wieder blühen. Dann können Sie schnell & einfach Rotöl selber machen.

 

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