Hohe Impfquoten: Plötzlicher Kindstod wird seltener


Veröffentlicht am 03.04.2015 von Johanna

saeugling-ploetzlichen-kindstod-vermeidenEs ist ein vielzitiertes Argument der Impfgegner: Impfungen könnten den plötzlichen Kindstod auslösen. Nun zeigt eine Langzeitstudie: Das Gegenteil ist der Fall! Die Fallzahlen beim plötzlichen Kindstod – oder kurz: SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) – sinken, je höher die Impfquote bei der Dreifachimpfung gegen Diphterie, Tetanus und Keuchhusten ist.


Bildquelle: sathyatripodi / pixabay.com
Bieten Impfungen einen Schutz vor dem plötzlichen Kindstod? Eine Studie der Charité findet einen Zusammenhang zwischen hoher Imfquote und weniger SIDS.

 

Die Wissenschaftler der Charité in Berlin suchten bei Ihrer Studie nach Faktoren, die eine Auswirkung auf die Sterblichkeitsrate beim plötzlichen Kindstod haben. Ihre Forschungsergebnisse stellten sie jetzt im Fachmagazin BMC Pediatrics vor. Als Datenmaterial dienten langfristige Erhebungen aus den USA. Die Forscher der Charité fanden einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Kindstodrate, den Impfempfehlungen sowie der gesellschaftlichen Zustimmung. Untersucht wurden die Zusammenhänge in den letzten 40 Jahren.

 

Zusammenhang entdeckt: Je höher die Impfquote desto weniger Fälle des plötzlichen Kindstodes

Die Daten zeigen, dass aufgrund von Verunsicherung der amerikanischen Bevölkerung in den 1970er und 1980er Jahren die Impfquoten in den USA abnahmen. Damit einhergehend stieg jedoch die Sterblichkeitsrate durch SIDS an. Für die Jahre zwischen 1968 und 1971 weisen die Daten einen Anstieg von 27 Prozent aus, für die Jahre 1971 bis 1974 sogar 47 %. Die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes nahm später wieder ab – zwischen 1991 und 2001 um acht Prozent. Die Forscher können einen eindeutigen Trend nachweisen, denn eine um 10 Prozent höhere Impfquote geht auch mit einem Rückgang um fast 10 Prozent beim plötzlichen Kindstod einher.  

Die These, dass die klassischen Impfungen im Säuglingsalter – z. B. gegen Keuchhusten, Diphterie, Tetanus, Polio oder Haemophilus influenza – zum vermehrten Auftreten des plötzlichen Kindstodes führen würden, ist damit widerlegt. Nach aktueller Datenlage scheint sogar das Gegenteil der Fall zu sein: Die Impfungen haben einen schützenden Effekt.

 

Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod kennen und Gefahren für das Baby vermeiden

Die Forscher weisen sogar darauf hin, dass ihre gefundenen Zusammenhänge deutlicher sind als die bei den Studien zur Schlafposition von Säuglingen gefundenen Zusammenhänge. Auf Ihnen fußen die aktuellen Empfehlungen zur Vermeidung des plötzlichen Kindstods, indem man die Risikofaktoren reduziert. Als Risikofaktoren gelten:

  • Alter der Mutter
  • eine früher bereits eingetretene lebensbedrohende Krise
  • ein am plötzlichen Kindstod verstorbenes Geschwisterkind
  • eine Frühgeburt vor der 33. SSW oder ein sehr niedriges Geburtsgewicht
  • Drogenkonsum der Mutter

Generell sollten Säuglinge zur Vermeidung des SIDS nicht dem Passivrauchen ausgesetzt werden. Dies gilt sowohl für die Schwangerschaft, erst recht aber für die Zeit nach der Geburt. Am besten ist eine komplett rauchfreie Umgebung. Das Kind sollte außerdem nicht in Bauchlage sondern immer in Rückenlage schlafen. Die Kleinen dürfen im Bett nicht überwärmen. Eine Schlafzimmertemperatur von 16 – 18 ° C ist ideal. Eltern sollten zusätzlich auf eine feste, luftdurchlässige Matratze achten. Ein Schlafsack, bei dem der Kopf frei bleibt, ist sicherer als eine Decke. Hier kann sich das Kind leicht die Decke über den Kopf ziehen und so für eine ungenügende Luftzirkulation sorgen. Auf eine zusätzliche Mütze beim Schlafen sowie Felle, Kissen oder Nestchen kann ebenfalls getrost verzichtet werden. Kinder, die gestillt werden, haben generell ein geringeres Risiko, am plötzlichen Kindstod zu sterben. Bis vor einigen Jahren gab es außerdem die Empfehlung, das Kind nicht im elterlichen Bett mitschlafen zu lassen. Diese Empfehlung ist nicht unumstritten, denn viele Eltern sehen auch die Vorteile des sogenannten Bedsharings bzw. Co-Sleeping.

Nun wird wohl bald eine weitere Empfehlung zur Vermeidung des plötzlichen Kindstod hinzukommen. Eltern sollten ihr Kind gegen Keuchhusten, Diphterie und Tetanus impfen lassen und nicht auf die kruden Theorien der Impfgegner hören. Die aktuelle Impfdebatte ist daher mehr als überfällig.

 

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