HIV-Therapie: So früh wie möglich beginnen


Veröffentlicht am 25.08.2015 von Michael

hiv-antiretrovirale-therapieHat sich ein Patient mit HIV infiziert, so sollte er frühzeitig eine antiretrovirale Therapie (ART) beginnen. Diese Empfehlung spricht eine erste Zwischenauswertung der sogenannten START-Studie aus. Es handelt sich hierbei um eine großangelegte Studie, die vom National Institutes of Health (NIH) begleitet wird. Der Name START leitet sich ab von Strategic Timing of Antiretroviral Treatment. An der randomisierten Studie nehmen über 4600 HIV-positive Männer und Frauen aus mehr als 35 Ländern teil. Die Zwischenauswertung bestätigte die Ergebnisse früherer Untersuchungen: Ein zeitiger Start der Therapie kann nicht nur die Ansteckung weiterer Personen verhindern, sondern auch dem Betroffenen selbst helfen.

Bildquelle: HIV Symbol von: jayofboy / freeimages.com
Auch wenn HIV in den Industrieländern viel von seinem früheren Schrecken verloren hat und sich mehr und mehr zu einer chronischen Krankheit entwickelt. Jeder HIV-Infizierte profitiert von einer antiretroviralen Therapie, wenn diese so frühzeitig wie möglich beginnt und nicht erst bestimmte Schwellwerte abgewartet werden.

 

Erste Ergebnisse der START-Studie: Antiretrovirale Therapie bei HIV am besten unverzüglich beginnen

Die START-Studie wird auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt und mitfinanziert. Zu Beginn hatten die Teilnehmer ein Durchschnittsalter von 36 Jahren. Sie waren HIV-positiv und hatten eine Vorbehandlung. Die CD4-Zellzahl war auf einem normalen Niveau von mehr als 500 Zellen pro µl. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe begann unmittelbar mit der antiretroviralen Therapie. Bei den Probanden der Gruppe startete die Therapie erst als die CD4-Zellzahl unter 350 pro µl gefallen war. Nach einer Beobachtungszeit von rund 3 Jahren fand die erste Auswertung statt. In Gruppe 1, also die sofort eine antiretrovirale Therapie bekommen hatten, waren 41 Fälle von Aids, schwerwiegenden nicht Aids-bedingten Krankheiten und Tod aufgetreten. In der Gruppe mit späterem Therapiebeginn wurden dagegen 86 dieser schweren Krankheitsverläufe beobachtet. Stellt man die Zahlen direkt einander gegenüber, so reduziert der frühe Therapiestart das Risiko für den Einzelnen um 53 Prozent. Der Unterschied zeigte sich bei beiden Geschlechtern, in allen Regionen und ist kein Einzelphänomen in Industrieländern oder Entwicklungsländern.

 

Änderungen der Empfehlungen für Deutschland und Österreich erforderlich

Experten sprechen sich daraufhin für eine antiretrovirale Therapie für jeden HIV-Infizierten aus. Die Medikamente sollten direkt nach der Diagnosestellung unabhängig von der CD4-Zellzahl bereitstehen. Dieses Vorgehen empfehlen bereits die US-amerikanischen Leitlinien für die HIV-Therapie. Doch wann HIV-Patienten eine antiretrovirale Therapie erhalten, hängt maßgeblich vom Land  ab, in dem sie wohnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die internationale Empfehlungen ausspricht, empfiehlt die ART erst zu beginnen, wenn die CD4-Zahl unter 500 pro µl fällt. In Österreich und Deutschland sind die Empfehlungen sogar noch zurückhaltender. Hier gilt der Grenzwert von 350 Zellen pro µl. Für Werte oberhalb von 500 Zellen pro µl gibt es im Moment keine Therapieindikation. Diese Formulierungen werden nach der START-Studie wohl geändert werden müssen.

 

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