Cyberchondie: Dr. Google ersetzt keinen Arztbesuch


Veröffentlicht am 16.08.2015 von Nico

cyberchondrieEs juckt die Nase, es kribbelt der Zeh oder ist das Grummeln im Bauch noch normal? Viele Menschen achten auf ihre Gesundheit und horchen deswegen in sich hinein. Das Internet ist allgegenwärtig. Deswegen ist man auch nur einen Klick davon entfernt, die vermeintlichen Symptome schnell zu googeln, bevor man sich in ein überfülltes Wartezimmer setzt und sich dort womöglich noch etwas Ernstes einfängt. „Dr. Google“ erfüllt auch prompt die Erwartungen und empfiehlt das Pülverchen hier, das Mittelchen dort und hier noch das Gerät zur Anwendung. Nicht zuletzt deshalb warnen Wissenschaftler: Die Ergebnisse von Suchmaschinen sind vielfach irreführend und können bisweilen mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften. Im schlimmsten Fall entwickeln Menschen eine Cyberchondrie, d. h. sie bilden sich dank Dr. Google schwere Krankheiten ein.

Bildquelle: HebiPics / pixabay.com
Die Diagnose von kleinen Zipperlein ist dank des Internets kaum mehr als drie Klicks entfernt. Doch schnell wird aus harmlosen Erkältungssymptomen eine gefährliche Krankheit. Cyberchondrie ist ein Phänomen unserer Zeit. Wer wirklich wissen will, was ihm fehlt, sollte nicht Dr. Google sondern seinen Hausarzt fragen.

 

Cyberchondrie auf dem Vormarsch, denn Dr. Google hat an 24 h & 365 Tage im Jahr geöffnet

Ein internationales Forscher-Team aus Österreich und Australien untersuchte für eine Studie die Suchergebnisse, wenn jemand nach einer Selbstdiagnose suchte. Sie befanden lediglich drei der ersten zehn Suchergebnisse für hilfreich. Alles andere waren eher irrelevante Informationen, die letztlich zu einer falschen Selbstdiagnose und Selbsttherapie führen können. Hier sehen die Forscher Gefahren für die eigene Gesundheit und warnen entsprechend.

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler unter Federführung der Queensland University of Technology den Studienteilnehmern Bilder von Patienten mit Gelbsucht, Haarausfall sowie Schuppenflechte gezeigt. Im Anschluss ließen sie die Teilnehmer nach den Krankheiten suchen, indem diese die Symptome in die Suchmaschinen eingaben. Die Forscher wollten sehen, ob die Probanden zur richtigen Diagnose kamen. Unter den eingegebenen Suchbegriffen für die Gelbsucht befanden sich beispielsweise „gelbe Augen“, „Augenkrankheit“ oder „weißer Teil des Auges ist grün“.

 

Cyberchondrie extrem: Obwohl man nur eine Erkältung hat, glaubt man dank Dr. Google an einem schnell wachsenden, extrem bösartigen Gehirntumor zu leiden

Die Studienteilnehmer hangelten sich so von Suche zu Suche. Doch genau hier liegt ein weiteres Problem: Die  Sorge um die eigene Gesundheit kann durch eine Suche im Netz extrem gesteigert werden. Dafür gibt es mittlerweile einen eigenen Begriff „Cyberchondrie“. Er leitet sich von Hypochondrie ab – also der übertriebenen Angst, eine Krankheit zu haben. Wer bei Google letztlich nach den Symptomen für eine starke, aber nicht übertreiben gefährliche Erkältung eingibt, kommt anhand der Ergebnisse schnell zu dem Glauben, er leide an einer gefährlichen Gehirnkrankheit. Die Forscher sehen zwei Ursachen für dieses Problem: Zunächst geht der Nutzer mit persönlichen Vorstellungen ins Internet. Zum anderen haben Suchmaschinen gewisse Algorithmen, um die Ergebnisse zu gewichten. So erregen Seiten über Hirntumore im Web meist mehr Aufmerksamkeit wie Seiten über „Allerweltskrankheiten“ wie Grippe und Erkältung. Entsprechend populärer sind die Hirntumor-Seiten und werden daher von den Suchmaschinen auch besser gerankt. 

Als Fazit ihrer Studie möchten die Forscher jedoch eines klar stellen: Das Internet und damit die Suchmaschinen liefern eine Fülle an Informationen. Man kann sich gut über schon bekannte und diagnostizierte Krankheiten informieren. Allerdings ist eine korrekte Selbstdiagnose im Internet anhand von Symptomen kaum möglich; die Gefahr, dass man eine ausgewachsene Cyberchondrie entwickel, dafür umso größer. Daher der Rat der Expertent: Wenn Sie das nächste Mal ein Zipperlein piesackt und sie nicht genau wissen, ob das eine ernste Gefahr für ihre Gesundheit ist: Gehen Sie lieber zum Arzt und suchen Sie nicht bei Dr. Google. Dank Cyberchondrie sind sie sonst nämlich nach kurzer Zeit kränker als krank.

 

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