Chemotherapie: Kein Fischöl als Nahrungsergänzungsmittel nehmen


Veröffentlicht am 10.08.2015 von Michael

fischoel-chemotherapie-erfolgKrebspatienten sollten sich generell gesund ernähren. Viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch aber gerne auch mal Fisch, so lauten die allgemeine Empfehlungen für gesunde Ernährung. Doch Krebspatienten mit Chemotherapie müssen beim Fisch etwas vorsichtiger sein. Sie sollten auf den Verzehr von fettem Fisch (wie z. B. Heilbutt oder Makrele) verzichten und generell keine Fischöl-Produkte zu sich nehmen. Das Fischverbot gilt besonders für die Tage unmittelbar vor und nach der Chemotherapie und am Therapietag selbst. Das raten Forscher von der Universität Utrecht. Sie stellten die Ergebnisse ihrer Studien kürzlich im Fachjournal „JAMA Oncology“ vor.

Bildquelle: NeilMoll / pixabay.com
Eine bestimmte Omega-3-Fettsäure, die in Fischen und Fischöl sehr häufig vorkommt, kann den Erfolg einer Chemotherapie behindern. Daher sollten Krebspatienten unmittelbar vor, während undnach der Chemotherapie auf fettigen Fisch bzw. Fischöl-Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel verzichten.

 

Bei ihren Untersuchungen fanden die niederländischen Wissenschaftler heraus, dass bestimmte Omega-3-Fettsäuren die Wirkung von Zytostatika aufheben können. Eigentlich sind Omega-3-Fettsäuren sehr wichtig für den Körper, weshalb auch im Normalfall die Empfehlung ausgesprochen wird, mehr Hering oder Makrele auf den Tisch zu bringen und viele Leute zu Fischöl-Produkten greifen.

 

Eine bestimmte Omega-3-Fettsäure führt zur systemischen Chemotherapie-Resistenz

Bei den Fettsäuren, die die Wirkung der Krebsmittel beeinträchtigen handelt es sich um die Hexadeca-4,7,10,13-Tetraensäure. Nicht nur der Name ist etwas sperrig, auch die Abkürzung ist nicht wirklich einprägsam: C16:4ω-3. In früheren Studien mit Mäusen hatte die Forschungsgruppe bereits herausgefunden, dass diese Fettsäure bereits in kleinsten Mengen das Immunsystem stimuliert: Es werden bestimmte Makrophagen in der Milz der Mäuse stimuliert, die zu einer systemischen Chemotherapie-Resistenz führen. In der jetzigen Untersuchung wollten die Wissenschaftler drei Fragen beantworten:

  1. Wie verbreitet ist die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln mit Fischöl bei Krebspatienten ist.
  2. Wie hoch ist der Gehalt an Hexadeca-4,7,10,13-Tetraensäure in bestimmten Fischarten und Fischöl-Produkten?
  3. Wieviel kommt letztlich davon im Blut der Patienten an?

 

Um all diese Fragen beantworten zu können, starten Die Wissenschaftler aus Utrecht eine Umfrage, untersuchten außerdem sechs Fischöl-Produkte sowie vier Fischarten auf ihren Gehalt an der Hexadeca-4,7,10,13-Tetraensäure und machten eine Verzehrstudie mit gesunden Freiwilligen.

Die Selbstauskunft von 118 Patienten, die an der onkologischen Universitätsklinik in Utrecht behandelt wurden, nahmen 11 Prozent Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren ein. Die untersuchten Fischöl-Präparate enthielten alle Fettsäure C16:4ω-3. Die Konzentration jedoch variierte stark. Sie reichte von 0,2 bis zu 5,7 µmol/l.  Die gesunden Probanden nahmen die empfohlene Tagesdosis von 10 ml Fischöl zu sich. Das führte zu einem Anstieg der C16:4ω-3-Konzentration im Blutplasma. Bei einigen Teilnehmern stieg sie um das 20-Fache an. Auch Hering und Makrele enthalten sehr viel Hexadeca-4,7,10,13-Tetraensäure . Lachs und Thunfisch dagegen sind sehr arm an C16:4ω-3. Bei den Teilnehmern der Verzehrstudie ließen auch Hering und Makrele die Konzentration der untersuchten Fettsäure im Plasma steigen.

 

Für Gesunde ist die zusätzliche Einnahme von Omega-3-Fettsäuren problemlos möglich

Für die Krebspatienten sind diese Erkenntnisse enorm wichtig für ihren Alltag. Viele versuchen so gesund wie möglich zu leben, um so ihre Heilungs- und Überlebenschancen zu verbessern. Dazu zählt natürlich eine gesunde Ernährung und die Tipps und Empfehlungen der Ernährungsexperten für gesunde Menschen werden befolgt. Genau hier liegt das Problem. Gesunden Menschen wird problemlos zu Fischöl als Nahrungsergänzungsmittel geraten. Fischöl-Präparate sind jedoch keine Arzneimittel. Sie unterliegen daher auch nur dem Lebensmittelrecht. Dies hat praktische Folgen. Der Gehalt von einzelnen Fettsäuren kann  nicht nur von Präparat zu Präparat variieren sondern selbst innerhalb eines Präparates von Charge zu Charge unterschiedlich ausfallen.

Die Studien-Autoren empfehlen daher den Krebspatienten, an den Tagen um die Chemotherapie auf fetten Fisch bzw. Fischöl-Präparate zur Nahrungsergänzung zu verzichten, um die Wirksamkeit der Chemotherapie nicht zu gefährden und sich so die besten Heilungschancen zu sichern. Die Empfehlung gilt vorerst solange bis weitere Daten und Untersuchungen vorliegen.

 

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