Bakterium Xylella fastidiosa bedroht uralte Olivenbäume in Italien


Veröffentlicht am 11.07.2015 von Laura

olivenbaum-bedrohung-durch-xylellaDie Kulturlandschaft Apuliens ist berühmt für ihre eine rote Erde und die grünen, malerischen Olivenhaine. Doch nun droht den Wahrzeichen einer ganzen Region Gefahr durch ein unscheinbares Bakterium: Xyella fastidiosa heißt der Feind, der uralte Olivenbäume tötet.

Bildquelle: fotometin / pixabay.com
Jahrhunderte alte, majestätische Olivenbäume sterben durch das Bakterium Xylella fastidiosa ab. Bislang gibt es kein effizientes Mittel – außer der Rodung von befallenen Bäumen – den Pflanzenschädling aufzuhalten.

 

Die Provinz Lecce bildet den Stiefelabsatz von der italienischen Halbinsel und ist mit seinen endlosen Olivenhainen ein wahrer Sehnsuchtsort. Doch die beeindruckende Landschaft wird jetzt zu einer ökologischen Kampfzone. Hier führt man Krieg gegen einen Eindringling: Klein, unscheinbar, eingeschleppt und kaum zu besiegen: Das Bakterium Xylella fastidiosa ist der Grund, warum Millionen von Olivenbäumen laut EU-Anordnung gefällt werden müssen, denn sie sind von dem Bakterium befallen. Blattsaugende Zikaden verbreiten den Schädling.

 

Mit Zierkaffee-Pflanzen importiert & von Zikaden übertragen – das Bakterium springt von Olivenbaum zu Olivenbaum

Nun schlagen Experten wie Giovanni Martelli, seines Zeichens Pflanzenpathologe an der Universität Bari, Alarm. Das heimtückische Bakterium ist auf dem Vormarsch. Notfallpläne, um es zu stoppen, gibt es nicht – nur das Fällen und Verbrennen aller infizierten Bäume ist bislang die einzige, zur Verfügung stehende Option. Xylella fastidiosa hat sich die Leitbahnen der Olivenbäume als Ort der Vermehrung ausgesucht und verstopft so den Wassertransport im Holz, denn in den Adern kann nichts mehr fließen. Die Folge ist verheerend für die Kulturlandschaft der Provinz Lecce: Jahrhundertealte Olivenbäume sterben langsam ab. Doch zuvor können sie noch andere Olivenbäume in ihrer Umgebung anstecken. Laut Pflanzenquarantäne-Richtlinie der EU müssen deswegen nicht nur die abgestorbenen Bäume sondern auch alle infizierten Bäume gerodet werden.

Der Pflanzenschädling Xylella fastidiosa kommt in Lateinamerika und den USA vor. Er wurde wahrscheinlich mit Zierkaffee-Sträuchern aus Costa Rica nach Südtitalien und damit Europa gebracht. Das legen zumindest Genstudien des Erregers nahe.
Auf der Suche nach einem neuen Wirt, fand er in Olivenbäumen offensichtlich beste Bedingungen und breitet sich immer weiter aus.

 

EU-Quarantäne-Richtlinie will weitere Ausbreitung verhindern

Italien steht nun vor der fast unlösbaren Aufgabe, den Schädling auszurotten. Im schlimmsten Fall müsste jeder Olivenbaum in Lecce gefällt werden, denn laut Quarantäne-Richtlinie der EU darf sich der Schädling nicht weiter in Italien ausbreiten. Eine Ausbreitung in anderen EU-Ländern ist das Horrorszenario schlechthin.

Experten jedoch warnen, dass dies ein Kampf ist, der kaum gewonnen werden kann. Selbst das Roden der Bäume sichert nicht die Ausrottung des Bakteriums Xylella. Sie berufen sich dabei auf Studien aus den USA, die zeigen, dass sich das Bakterium in einer Region festsetzt sobald es erstmals aufgetreten ist. Langfristig werden die Bauern vor Ort also lernen müssen, mit Xylella zu leben.

 

Xylella fastidiosa bedroht die Lebensgrundlage der Olivenbauern in Lecce

Für die Olivenbauern in Lecce ist das natürlich kein Trost und auch kein wirklicher Tipp. Sie sind gezwungen, die uralten Olivenbäume in Familienbesitz zu fällen. Das geht nicht ohne Emotionen, denn die Oliven sind in der Region eine wichtige Einkommens- und Lebensgrundlage. Viele Bauern wissen einfach nicht, wie es danach weitergehen soll.

Von daher ist es auch verständlich, dass sich keine Euphorie beim Fällen der betroffenen Bäume einstellt. Auch deswegen lief die Bekämpfung von Xylella bisher mehr als schleppend und wertvolle Zeit ging verloren. Doch nun macht die EU Druck. Rom sah sich deshalb sogar gezwungen, die Stelle eines Sonderkommissars des Zivilschutzes zu schaffen, der die Koordination und Durchsetzung der Notfallmaßnahmen in die Hand nehmen soll. Die Regeln sind klar: Jeder Baum mit ersten Krankheitsanzeichen muss gefällt und verbrannt werden. Der Unterwuchs ist mit Mulch abzudecken, sodass nichts anderes mehr wachsen kann, wo Xyllela fastidiosa einen neuen Unterschlupf finden könnte. Ohne den Einsatz von Pestiziden geht es ebenfalls nicht, denn auch die  Zikaden müssen daran glauben. Als Bakterienüberträger dürfen sie den Schädling Xylella nicht weiterverbreiten.  

 

Forscher & Züchter auf der Suche nach Alternativen

Forscher und Züchter arbeiten parallel dazu an der Suche nach neuen Wegen. Langfristiges Ziel ist es, die Olivenbäume resistent gegen Xylella zu machen. Man erwägt von speziellen Giftstoffen bis hin zu Züchtungsprogrammen derzeit alles, was Erfolg versprechen könnte. Doch die Zeit spielt im Moment gegen die Experten.

Gerade bei Züchtungsprogrammen steckt man in einem Dilemma: Der Erreger breitet sich schnell immer weiter aus. Allerdings wachsen Olivenbäume nur extrem langsam, sodass man erste Züchtungserfolge erst Jahre später sehen und auswerten kann. Würden Olivenbäume ähnlich schnell wachsen wie Tomaten, hätten Züchter die Gefahr wohl innerhalb weniger Jahre gebannt. So allerdings rechnet man bei den Oliven derzeit eher mit Jahrzehnten.

 

Der gesamte Olivenanbau in der EU ist durch den Pflanzenschädling gefährdet

Bis dahin hat der aus der Neuen Welt stammenden Schädling viel Zeit, um große Schäden anzurichten. Nichts weniger als der Olivenanbau in ganz Italien, ja sogar in ganz Europa steht auf dem Spiel. Vor dem Hintergrund ist der Kahlschlag in der italienischen Provinz Lecce scheinbar das kleinere Übel – sofern er denn Wirkung zeigt und das Bakterium aufhalten sollte.

 

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